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"Unges Platt" - lebendige Mundart

Manche mögen`s "Platt". Dabei sind die Ausdrucksmöglichkeiten in heimischer Mundart höchst vielfältig! Begriffe und Beschreibungen bringen Dinge lautmalerisch schöner auf den Punkt, als es das vergleichbare Wort oder die entsprechende Redewendung im Hochdeutschen leisten kann. Nur ein Beispiel: Läuft Ihnen bei "Muurejubbel" nicht viel schneller das Wasser im Mund zusammen als beim sperrigen "Möhren-Kartoffel-Untereinander-Eintopf"?

"Unges Platt", unsere Mundart, zeichnet sich durch Charme und Mutterwitz aus, ist identitätsstiftende Heimatsprache. Neugierig geworden? Diese Seite ist eine Ermunterung zum Selbstversuch. Und wenn Ihnen die Begriffe nicht sofort leicht über die Lippen gehen, nur Mut: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Online-Wörterbuch: Mundart mit Hörbeispielen

Frau Otten und Herr Menzen mit Kopfhörern am Mikro im Tonstudio

Mundartbegriffe übersetzen und auch gleich anhören? Das geht mit unserem Mundartwörterbuch! Ausgewählte Begriffe finden Sie hier aufgeschrieben und als Hörbeispiel. Viel Spaß!  

Die Audio-Dateien zu den Mundartbegriffen haben zwei Mundartkundige im Medienzentrum des Rhein-Kreises Neuss in Holzheim eingesprochen. Während Johannes Feser (hinter der Glasscheibe) die Tontechnik betreute, sprach Andrea Otten jeweils die Korschenbroicher Variante ins Mikro, Hans-Peter Menzen übernahm die Glehner oder auch mal Kleinenbroicher Sprechweise. Wohlgemerkt stellen diese Hörproben Beispiele dar - je nach Wohnort, Straßenzug oder gar von Familie zu Familie kann die Verwendung der Begriffe und deren Aussprache variieren.       

Der Flyer für Einsteiger

Mundartflyer liegt auf dem Tisch

Unser Mundart-Flyer für Neulinge und Neugierige findet sich in jeder Neubürgertasche und liegt u.a. in den Rathausgebäuden aus. Er liefert "erste Hilfe" in Alltagssituationen, wenn man einander begegnet oder heimische Gerichte probieren möchte. Hier erfährt man, dass es Kartoffelsalat gibt, wenn man beispielsweise beim Vereinsfest zum "Eäpelschloot" eingeladen wird. Oder dass man mit den Worten "Wo küttse van aff?" nach der eigenen Herkunft gefragt wird. Häufige Redewendungen und Begrifflichkeiten werden darin teils mit einem verschmitzten Lächeln übersetzt. (Beispiel: "Ich habe Durst" heißt mundartlich übersetzt "was ist das für eine trockene Luft hier!")

Das Grußwort des Bürgermeisters ist im Flyer in Mundart geschrieben. Hier die hochdeutsche Übersetzung:

"Unser Platt - so heißt unsere Sprache in Korschenbroich - spielt in unserer Stadt eine große Rolle. Speziell wenn Feste gefeiert werden, kann man sie noch oft hören. Ob Karneval, Schützenfest oder St. Martin - unsere Mundart wird noch immer gerne gesprochen, weil es einfach Freude macht, sich auf Platt zu unterhalten. Es gibt eine Menge Vereine, die sich um den Spracherhalt kümmern und sogar eigene Mundart-Abende abhalten."

Unges Platt: Buch-Neuauflage in Arbeit

Das vielfach als Standardwerk genutzte Korschenbroicher Mundart-Wörterbuch von Hubert Köhnen mit dem Titel "Unges Platt" ist längst vergriffen - und wird jetzt neu aufgelegt. Bei der Digitalisierung und Überarbeitung hilft das "Internationale Mundartarchiv Ludwig Soumagne" des Rhein-Kreises Neuss mit Sitz in Zons. Die historisch-sprachwissenschaftliche Auseinandersetzung ist reizvoll: Im Stadtgebiet werden unterschiedliche Spracheinflüsse hörbar. So spricht man beispielsweise in Kleinenbroich ein anderes Platt  als in Glehn. Ob man schon in früheren Zeiten einen Dolmetscher brauchte? Heute wird er jedenfalls benötigt, wenn es um Begriffe wie "Kruutbotteramm" (Scheibe Brot mit Rübenkraut bestrichen) geht. Die Aufforderung "Drenk doch eene mött" hingegen wird allgemein verstanden - vor allem, wenn man dazu ein gefülltes Glas gereicht bekommt! Mundart zu sprechen oder zumindest zu verstehen - kann in vielen Lebenslagen amüsant, gemütlich und hilfreich sein. In die überarbeitete Neuauflage werden auch Fotos aufgenommen.

Ortsschilder werden ergänzt

Runder Tisch der Heimatvereine zur Mundart-Aussprache der Ortsnamen

Zur "Mundartoffensive" gehört auch die Neugestaltung vieler Ortseingangstafeln. Sie werden um die mundartliche Aussprache des jeweiligen Stadtteils ergänzt. In einem Gespräch am runden Tisch haben sich die Heimatvereine auf die jeweils korrekte Aussprache geeinigt und eine Verschrfitlichung festgelegt. Nach und nach sollen die Schilder angefertigt und ausgetauscht werden. 

Unter dem Ortsnamen Raderbroich steht dann beispielsweise künftig „Röerbrook“ und in Lüttenglehn erfährt man, dass der Ort in Mundart „Löttejleän“ heißt. Ein fachkundiges Team – darunter Experten aus dem Mundartarchiv des Rhein-Kreises Neuss sowie lokale Mundartkenner – hatten Vorschläge für die Schreibweisen erarbeitet. Einige Namen (wie „Koschebrook“ für Korschenbroich) wurden sofort von den Vertretern der Heimatvereine einstimmig durchgewunken, bei anderen Ortsteilen gab es kleinere Diskussionen, wie man denn diese oder jene lautmalerische Wendung sprechen und dann auch noch schreiben könnte.

  • Sitzbank als Mundarttreffpunkt vor Backsteinhaus in Pesch
  • Drei ältere Damen unterhalten sich angeregt auf einer Sitzbank
  • Schild "Unges Pengste" wirbt für Schützenfest zu Pfingsten