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Pflege in der Corona-Pandemie

Aktuelle Regelungen in der Pflege
Der Gesetzgeber hat aufgrund der Corona-Pandemie Maßnahmen verabschiedet, die Pflegebedürftige und Pflegende während der Dauer der Pandemie entlasten und schützen sollen.

Beratungseinsätze für Pflegegeldempfänger
Pflegebedürftige, die keinen Pflegedienst beauftragt haben, sondern ausschließlich Pflegegeld erhalten, sind verpflichtet, halb- (Pflegegrad 2 und 3) bzw. vierteljährlich (Pflegegrad 4 und 5) eine Beratung nach § 37 Abs. 3 SGB XII abzurufen. Die Beratungsbesuche dienen der regelmäßigen Hilfestellung und praktischen pflegefachlichen Unterstützung.

Bis zum 31.03.2021 dürfen diese Beratungseinsätze auf Wunsch telefonisch, digital oder per Videokonferenz durchgeführt werden.

Begutachtung bei Neuantrag oder Höherstufungsantrag
Bei einem Erstantrag auf Feststellung eines Pflegegrades oder einem Höherstufungsantrag erfolgt eine Begutachtung vom medizinischen Dienst der jeweiligen Pflegeversicherung. Begutachtungen mit Hausbesuch finden bis zum 28.02.2021 nicht statt. Die Begutachtungen werden ausschließlich digital, mittels Telefoninterview und auf der Basis vorhandener Unterlagen durchgeführt.

Der medizinische Dienst teilt den Termin für das Telefonat schriftlich mit.Vorab wird ein Fragebogen zugesandt, mit dem eine Vorbereitung auf das Telefoninterview erfolgen kann.

Tipp: Füllen Sie den Fragenbogen, soweit es Ihnen möglich ist, sorgfältig aus und schreiben Sie sich im Vorfeld Fragen auf, die Sie am Telefon stellen wollen. Achten Sie darauf, dass ein Angehöriger bei dem Telefonat dabei ist. Oft können Pflegepersonen oder Angehörige Einschränkungen klarer und umfassender schildern als man selbst.

Legen Sie sich zur Vorbereitung zum Telefongespräch, sofern vorhanden, beispielsweise bereit:

  • eigene Notizen über den Verlauf der Pflege und Schwierigkeiten
  • aktuelle Berichte von Ärzten
  • Medikamentenplan
  • Schwerbehindertenausweis
  • Verträge mit Pflegediensten, Pflegedokumentation und sonstige Dokumente, die Aufschluss über pflegerische Maßnahmen geben.

Die Einstufung in einen Pflegegrad erfolgt dann durch einen Bescheid der Pflegekasse auf Grundlage der Telefonbefragung und den Unterlagen, die vorgelegt werden.

Versorgung mit Hilfsmitteln und Umbaumaßnahmen
Pflegebedürftige haben einen Anspruch auf Pflegehilfsmittel, wenn und soweit die Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden beitragen oder eine selbständige Lebensführung ermöglichen und die Versorgung notwendig ist. Für Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes können Zuschüsse gezahlt werden, wenn dadurch die häusliche Pflege ermöglicht oder erheblich erleichtert wird.

Dies gilt auch während der Corona-Pandemie. Die erforderlichen Begutachtungen werden bis zum 31.03.2021 ohne Untersuchung des Versicherten in seinem Wohnbereich vorgenommen.

Der maximal erstattungsfähige Betrag für Verbrauchhilfsmittel in Höhe von 40 € wird bis zum 31.03.2021 auf 60 € pro Monat angehoben. Dabei ist das Kaufdatum für die höhere Erstattung auschlaggebend.

Unterstützung im Alltag für Pflegebedürftige
Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich. Der Betrag ist zweckgebunden einzusetzen für qualitätsgesicherte Leistungen zur Entlastung pflegender Angehöriger und vergleichbar Nahestehender in ihrer Eigenschaft als Pflegende sowie zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags.

Unterstützungsangebote im Alltag können gerade jetzt eine gute Ergänzung und Entlastung der Pflegesituation bieten. Deshalb wurden folgende Erleichterungen eingeführt:

  • Die Leistungen für Anbieter, die bereits anerkannte Leistungen erbringen, wurden erweitert. So dürfen alle Anbieter – unabhängig von ihrem üblichen Angebot – zusätzlich auch „Hilfen bis zur Haustür“ beispielsweise Botendienste, Organisation von Arztbesuchen, Essen auf Rädern oder Einkäufe anbieten. Diese Regelung gilt zeitlich befristet zunächst bis zum 31.03.2021.
  • Auch Nachbarschaftshelfer können Unterstützungsleistungen erbringen. Sie müssen aktuell keine Qualifizierung nachweisen. Diese Regelung gilt zeitlich befristet zunächst bis zum 31.03.2021.
  • Pflegebedürftige im Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 €– unabhängig von den derzeit geltenden Vorgaben nach Landesrecht – auch anderweitig verwenden. So können sie beispielweise haushaltsnahe Dienstleistungen oder Nachbarschaftshelfer beauftragen, die nicht über eine landesrechtliche Anerkennung verfügen. Diese Regelung gilt bis zum 31.03.2021.

Schutzmasken
Am 15.12.2020 ist die Coronavirus-Schutzmasken-Verordnung in Kraft getreten. Hierdurch haben Personen, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland haben, ab dem 60. Lebensjahr, bei der Zugehörigkeit zu bestimmten Risikogruppen oder bei bestimmten Vorerkrankungen einen Anspruch auf kostenfreie FFP2-Schutzmasken.

Folgende Risikogruppen bzw. Vorerkrankungen sind umfasst:

  • chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma bronchiale
  • chronische Herzinsuffizienz
  • chronische Niereninsuffizienz Stadium ≥ 4
  • Demenz oder Schlaganfall
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • aktive, fortschreitende oder metastasierte Krebserkrankung oder stattfindende Chemo- oder Radiotherapie, welche die Immunabwehr beeinträchtigen kann
  • stattgefundene Organ- oder Stammzellentransplantation
  • Trisomie 21
  • Risikoschwangerschaft.

Anspruchsberechtigte haben im Zeitraum vom 15. Dezember 2020 bis zum Ablauf des 6. Januar 2021 einen Anspruch auf einmalig drei Schutzmasken, vom 1. Januar 2021 bis zum Ablauf des 28. Februar 2021 einen Anspruch auf einmalig sechs Schutzmasken und vom 16. Februar 2021 bis zum Ablauf des 15. April 2021 einen Anspruch auf einmalig sechs Schutzmasken. Hierzu sollten diese Personen ein Berechtigungsschreiben Ihrer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung erhalten. Mit dem Berechtigungsschein werden die Masken bei einer Eigenbeteiligung von 2,00 Euro ausgegeben. Die Berechtigungsscheine verbleiben in der abgebenden Apotheke.

Erleichterungen für pflegende Angehörige

Pflegeunterstützungsgeld
Wenn ein Pflegefall in der Familie auftritt und die Pflege für einen Angehörigen zu Hause organisiert werden muss, erhalten Beschäftigte ein Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung für bis zu 10 Tage. Folgende Regelungen gelten bis zum 31.03.2021:  

  • Das Pflegeunterstützungsgeld wird auch dann gezahlt, wenn der Pflegedienst schließt oder die Pflegekraft ausfällt.
  • Der Zeitraum für die Gewährung des Pflegeunterstützungsgeldes wird auf 20 Tage verlängert.
  • Arbeitnehmer haben das Recht wegen einer aktuellen Pflegesituation in der eigenen Familie 20 Tage der Arbeit fernzubleiben.

Regelungen im Pflegezeitgesetz und Familienpflegezeitgesetz
Mit Zustimmung des Arbeitgebers können Beschäftigte einmalig nach einer beendeten Pflegezeit zur Pflege und Betreuung derselben pflegebedürftigen Person die Pflegezeit bzw. Familienpflegezeit erneut in Anspruch nehmen. Die Inanspruchnahme muss auf der Grundlage Pandemie bedingten Sonderregelungen erfolgen und spätestens bis zum 31.03.2021 beendet sein.

Sollten darüber hinaus Fragen bestehen, wenden Sie sich bitte an Ihre Pflegekasse oder an die städtische Seniorenbeauftragte Petra Köhnen unter 02161 613 169 oder petra.koehnen@korschenbroich.de