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Stadtgeschichte im Schnelldurchlauf

Seit 1975 sind die ehemals selbstständigen Dorfgemeinden Liedberg, Glehn, Kleinenbroich, Pesch und Korschenbroich zur jungen Stadt Korschenbroich vereint. Innerhalb ihrer Grenzen wird die spannende Geschichte des Rheinlandes nachvollziehbar.

  • versteinerter Mammutzahn gefunden in Korschenbroich

    Mammutzahn, Fundort Myllendonk

  • Feldansicht in Liedberg

    Der Eiszeit-Hügel Liedberg

  • Faustkeil gefunden in Liedberg

    Faustkeil, gefunden in Liedberg

Von Jägern und Sammlern zu Römern und Franken

Bereits in der Ur- und Frühgeschichte leben Menschen hier. Das belegen unterschiedliche archäologische Funde. Mit der Eroberung Galliens (58-51 v. Chr.) durch Julius Caesar kommt die römische Kultur in die Provinz „Niedergermanien“. Eine römische „Villa Rustica“ zwischen Korschenbroich und Raderbroich legt unter anderem davon Zeugnis ab.

Um das Jahr 400 n. Chr. folgen die Franken. Sie bringen ihre eigene Verfassung mit und zerlegen das Herrschaftsgebiet in wesentlich kleinere „Gaue“. Dieses System hält bis ins 9. Jahrhundert. Unter den Nachfolgern Karls des Großen wird das Rheinland Teil des lothringischen Zwischenreiches. Dann fällt es dem ostfränkischen und schließlich dem Deutschen Reich zu.

  • Totale: Schloss Liedberg

    Die kurkölnische Höhenburg Liedberg

  • Ausschnitt Ernennungsurkunde von der Stadt Korschenbroich

    1127: Erste Nennung Korschenbroichs

  • Totale: Schloss Myllendonk in Herrenshoff

    Das Wasserschloss der Herrschaft Myllendonk

Viele kleine Hoheitsgebiete im Mittelalter

Über die Existenz der Ortschaften Korschenbroich, Pesch, Glehn, Liedberg und Kleinenbroich geben schriftliche Quellen aus dem 12. Jahrhundert erstmalig Auskunft. Um 1100 wird eine Glehner Ortschaft 'Luzzelenglene' (Lüttenglehn) genannt. 1127 wird Korschenbroich in einer Urkunde über die Schenkung eines Hofes in 'Crismeke' an das Stift St. Kunibert in Köln erwähnt. Urkundlich ist 1166 die so genannte 'Liedberger Teilung' festgehalten (Erbteilung zwischen Elisabeth von Randerath und Hildegundis von Meer). Auch Kleinenbroich, Steinhausen und Steinforth werden erwähnt. Ab 1263 ist die Grundherrschaft Pesch als Myllendonker Lehen nachweisbar.

Die territorialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Strukturen werden von den Grundherrschaften bestimmt. Der meist adlige oder geistliche Grundherr besitzt den Boden und verfügte über die Bauern, die ihn bewirtschafteten. Im heutigen Stadtgebiet konkurrieren seinerzeit zwei bedeutende Grundherrschaften: Auf der einen Seite ist das Myllendonk. Die Herrschaft umfasst Korschenbroich und Pesch und erlangt im Jahr 1700 die Reichsunmittelbarkeit. Auf der anderen Seite handelt es sich um Liedberg, seit 1279 im Besitz der kurkölnischen Erzbischöfe. Als Zeugnisse sind die jeweiligen Schlösser erhalten. Mit seinen gotischen und barocken Bauteilen ist Schloss Myllendonk eine malerische Wasserburg. Schloss Liedberg, ab ca. 1350 in mehreren Bauabschnitten errichtet, ist eine der wenigen Höhenburgen am Niederrhein.

  • Detailaufnahme eine Häusergiebels auf der Sebatianusstraße in Korschenbroich

    Hausgiebel aus der Franzosenzeit

  • Nah-Aufnahme Hausnummer 42 Wasserweg in Steinhausen

    Hausnummern werden eingeführt

  • Detailaufnahme der Fietsallee am Nordkanal

    Napoleons Nordkanal - heute ein Radweg

Das Rheinland wird französisch

Die Französische Revolution beendet das feudale Herrschaftssystem. Von 1794 bis 1814 gehörte das Rheinland zu Frankreich. Grenzen werden neu gesteckt, Hausnummern eingeführt, Napoleon lässt Straßen bauen und realisiert in Teilabschnitten den Grand Canal du Nord für den Verkehr zu Wasser. Die Trasse bis in die Niederlande besteht bis heute und ist nun ein Radweg. Das Stadtgebiet gehört seinerzeit zum Arrondissement (Unterbezirk) Krefeld im Département (Regierungsbezirk) Roer.

Die preußische Übernahme des Rheinlands 1816 bringt die nächste Gebietsreform mit sich. Innerhalb der Regierungsbezirke werden kreisfreie Städte und Landkreise gebildet. Die Bürgermeistereien aus der französischen Zeit blieben bestehen. Korschenbroich, Kleinenbroich und Liedberg werden dem Landkreis Gladbach zugeordnet, Glehn hingegen dem "Landkreis Neuß".

Das Stadtarchiv dokumentiert auf der Fläche des heutigen Stadtgebietes rund 10.000 Einwohner um 1870. Ihr Leben ist von der Landwirtschaft geprägt.

  • Bauernhof Hinweisschild Kartoffelverkauf

    Haupterwerbsquelle Landwirtschaft

  • Gleisbereich und Bahnhöfsgebäude Kleinenbroich

    Wirtschaft kommt in Fahrt

  • Altes Rathaus Regentenstraße Korschenbroich

    Rathäuser entstehen

Die Arbeitswelt verändert sich

Neben Ackerbau und Viehzucht wird die Stoffproduktion ein wichtiger Erwerbszweig. Zahlreiche Hauswebereien produzieren für die Zentren der Textilindustrie Mönchengladbach, Rheydt oder Krefeld. Begünstigt durch den Ausbau des Verkehrswesens kommt zur Jahrhundertwende die Industrialisierung auf dem Land an. Dabei spielt die Eisenbahnlinie Aachen-Mönchengladbach-Neuss-Oberkassel mit einem Bahnhof in Kleinenbroich eine bedeutende Rolle. Handwerksbetriebe, kleinere Fabriken und eine Amtssparkasse entstehen, Krankenhäuser in Glehn und Korschenbroich sowie Bürgermeisterämter werden gebaut.

Weltkriege bringen Elend

Gruppenfoto: Soldaten und Pflegerinnen vor einem Lazarett.

Lazarett in der Alten Schule Steinstraße

Patriotismus und Euphorie sind groß, als 1914 der 1. Weltkrieg beginnt. Doch die Ernüchterung folgt mit der steigenden Zahl der Gefallenen und Verwundeten, die von der Front zurückkommen. Lazarette werden eingerichtet, Rohstoffe und Lebensmittel sind knapp. Die Schulchronik von Pesch berichtet 1918 über Elend und Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die Korschenbroicher Kirchenglocken sollen für den Bedarf der Rüstungsindustrie eingeschmolzen werden. Sie sind zu diesem Zweck bereits abtransportiert, als der Krieg im November mit dem Zusammenbruch der Monarchie endet.

Die Gebietsreform 1929 löst den Kreis Gladbach auf und ordnet die selbstständigen Gemeinden Korschenbroich, Pesch, Glehn, Liedberg und Kleinenbroich dem neuen Kreis Neuß-Grevenbroich zu. 1935 entsteht das Amt Glehn (mit den Gemeinden Liedberg und Glehn). Zwei Jahre später werden Korschenbroich und Kleinenbroich zusammengeschlossen. Diese Zuschnitte bleiben übrigens bis 1947 bestehen.

Erinnern ist wichtig

Nahaufnahme: Zwei Stolpersteine im Bürgersteig.

Stolpersteine der Erinnerung

Vor dem 2. Weltkrieg ist die Kriegsbegeisterung in der Bevölkerung örtlichen Chroniken zufolge gebremst. Die Männer müssen in den Kampf ziehen, zu Hause wird das Überleben improvisiert. In gemeinschaftlich erbauten Bunkern oder Kellern suchen Nachbarn Schutz bei Bombenangriffen. Trotzdem werden viele getötet. Häuser, Kirchen, Höfe im Stadtgebiet werden zerstört. Von den Millionen gefallener Soldaten stammen Hunderte aus dem heutigen Stadtgebiet. Als zum Kriegsende die Amerikaner einziehen, wehen an vielen Häusern weiße Fahnen. Es folgen Jahre wirtschaftlicher Not und des Wiederaufbaus. Gräber, Mahn- und Denkmale erinnern heute an den Krieg. Zur sichtbaren Aufarbeitung der Geschichte gehören u.a. die „Stolpersteine“. In Form von Messingplatten im Bürgersteig erinnern sie an jüdische Nachbarn und Mitbürger, Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Der Weg zur heutigen Stadt

Die Wirtschaftswunderjahre gehen ins Land. Erneut wird eine kommunale Neugliederung diskutiert. Mönchengladbach und Neuss melden Gebietsansprüche an. Doch die Gemeinden leisten Widerstand. Am 1. Januar 1975 entsteht die Großgemeinde Korschenbroich in den heutigen Stadtgrenzen, 1981 wird sie zur Stadt ernannt. Heute wohnen über 33.000 Menschen in Korschenbroich. Die Kleinstadt zwischen den Oberzentren Mönchengladbach, Krefeld, Neuss und Düsseldorf punktet mit moderner und leistungsfähiger Infrastruktur, attraktiver Wohnqualität und einem hohen Freizeitwert. Das Stadtbild wird geprägt vom Dialog zwischen historischer und moderner Architektur.

  • Detailaufnahme Häusergiebel
  • Detailansicht Front modernes Gebäude mit Spiegelfassade
  • Ansicht ehemaliges Mexx Gebäude mit moderner Architektur